Bücher vonne Ruhr · Verlag Henselowsky Boschmann · Regionaler Literaturversorger · Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch
Kumpels in Kutten
Bergbaugeschichten
Friedhelm Wessel
Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch
Geschichten rund um den Bergbau im Ruhrgebiet
80 Seiten, gebunden
9,90 €
ISBN 978-3-922750-98-7

Im Jahre 2019 endet vermutlich zwischen Ruhr und Lippe eine Jahrhunderte alte Tradition. Dann wird letztmalig im Pütt vor und nach der Seilfahrt der Bergmannsgruß "Glückauf!" erklingen. Was bleibt, sind Geschichten und Anekdoten eines außergewöhnlichen Berufsstandes. Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und sich noch den intensiven Geruch von Kohle und Erz erinnern kann, wer einmal auf staubigen Ascheplätzen der "Pille" hinterhergejagt ist, auf den wenigen Freiflächen Futter für Kaninchen gesucht und am Rhein-Herne-Kanal seine ersten Schwimmversuche unternommen hat, der kann die Geschichten sehr gut nachempfinden. Für alle anderen sind es Geschichten aus unserer Geschichte.
Zwischen Ruhr, Emscher und Lippe gruben einst rund 500.000 Bergleute nach dem schwarzen Gold. Immer neue Schächte wurden ab 1860 in den ehemals landwirtschaftlich genutzten Boden getrieben, um an die begehrten Lagerstätten zu kommen, denn der Hunger der aufkommenden Montanindustrie musste gestillt werden. Die Anwerber der Zechengesellschaften waren in Schlesien, in Ost- und Westpreußen unterwegs, versprachen guten Lohn und Wohnungen. Im Umfeld der neuen Pütts entstanden große und kleine Kolonien, in denen die Zugezogenen mit ihren Familien eine neue Heimat fanden. Gemeinsam mit den Söhnen und Enkeln einstiger westfälischer und rheinischer Kötter, Handwerker und Handelsleute schufteten sie in ewiger Nacht, um Kohle abzubauen. Aus Bauerndörfern und Städtchen wurden im Laufe weniger Jahre große Städte, die sich um Zechen, Kokereien, Gießereien und Hochöfen scharten.
In diesem Buch erzählen Menschen, die mit und für den Bergbau im Revier gelebt haben. Sie schildern ihre Erfahrungen auf verschiedenen Pütts des Reviers als Bergleute oder Handwerker, als Kohlenhauer, Rutschenmeister, Grubenschlosser, Lokfahrer oder Steiger. Dieses Buch soll eine Zeit erinnern, als jeder im Ruhrgebiet das Steigerlied kannte und besonders gern die Strophe anstimmte, in der es heißt: "Die Bergleut’ sein kreuzbrave Leut’, denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht, denn sie tragen das Leder vor dem Arsch."


Inhalt
· Vorwort: »Die Bergleut’ sein kreuzbrave Leut’«
· Der Tierarzt, der in Gelsenkirchen die Kohlen fand
· Karpfenfang an der Halde
· Bergmann Adam Orzessek
· Bergmann Wilhelm Royek
· Grubenunglücke
· Helfer aus dem Ruhrgebiet
· Vom Kamerad mit den zwei Reihen Knöpfen unterm Bauch
· Bergleute im Widerstand
· Der Retter von Piepenfritz und das geheime Solebad
· Der »Alte« und der »Fürst«
· Zeche Eimerweise
· Hengstparade in Heisingen und Unfall auf Monopol
· Kostenlose Selbstbedienung
· Vierbeiner mit Arbeitsvertrag
· B wie Blödmann
· Auf Möllerschächte
· Kohlehaufen vor der Tür
· Der Trakehner
· Bergmannskotelett
· Erste und letzte Schicht unter Tage
· Bergleute als Autobauer
· Prisenpulle
· Fußball unterm Förderturm
· Artistische Mäuse
· Von Victor 3/4 nach Medicine Hat
· Im Schlafanzug zum Pütt
· Vorbild Onkel Josef
· Tränen in den Augen
· Als Fotografin unter Tage
· Freddy sang in Finefrau
· The King of the Bottleship
· Bekannte Bergleute
· Bergmännische Fachausdrücke
Friedhelm Wessel
Jahrgang 1944, verbrachte seine Kindheit und Jugend zwischen der Jacobi-Siedlung in Oberhausen – wo Oma ihr klein Häuschen und Opas geliebter Karnickelstall waren – und dem Dichterviertel in Herne – dort sind alle Straßen nach großen deutschen Dichern benannt. Eigentlich sollte er Ingenieur werden, entschied sich aber schließlich 1970 für den Journalismus. Zunächst als "Freier" zwischen Mülheim und Dortmund, dann ab 1973 als Redakteur in Gelsenkirchen und Bottrop. 2007 ging er in den Ruhestand und erkundet seitdem als Autor die Geschichte und Geschichten des Ruhrgebiets. Seine erste große Erkundungstour startete Klein-Friedhelm bereits 1955. Er schnappte sich den roten Tretroller seines damals siebenjährigen Bruders Walter und sauste – immer am Kanal entlang Richtung Rhein – von der Herner Schleuse 6 bis zur Burg Vondern in Osterfeld und von dort aus bergauf in die Jacobi-Siedlung. Gegen Abend wurde der Junge im Herner Dichterviertel vermisst und nach einigem Suchen versteckt auf Opas Karnickelstall gefunden. Er hatte Angst vor der eigenen Courage bekommen. Wohl nicht ganz unbegründet, denn die Eltern waren, als sie ihn am nächsten Tag in Osterfeld abholten, – wie man hier so schön sagt – "voll in Brass". Und es hätte schlimm kommen können für Klein-Friedhelm, wenn seine Oma sich nicht vor ihn gestellt und gesagt hätte: "Unser Junge, wat macht der für Geschichten. Der wird später bestimmt ma Geschichten machen."

Ebenfalls von Friedhelm Wesse:
Lüdenscheid-Nord gegen Herne-West oder: Wenn Königsblau auf Schwarzgelb trifft – Das Revierderby

Manchmal auch in Unterbuxe – Geschichten entlang des Rhein-Herne-Kanals

Die letzte Sau der Kolonie – Geschichten zwischen Förderturm und Taubenschlag
Friedhelm Wessel Denn sie tragen das leder vor dem Arsch

Friedhelm Wessel Denn sie tragen das leder vor dem Arsch

Samstag, 28. September 2013: Lesung mit Friedhelm Wessel auf der Zeche Monopol in Kamen