Verlag Henselowsky Boschmann · Regionaler Literaturversorger Ruhrgebiet · Inge Meyer-Dietrich · Plascha
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Inge Meyer-Dietrich
Plascha

Von kleinen Leuten und großen Träumen
240 Seiten, Taschenbuch
8,01 €
ISBN 978-3-922750-94-9

Das Leben gegen Ende des Ersten Weltkriegs ist geprägt von Hunger und Angst um die Soldaten. Doch die Menschen rücken zusammen. Nachbarschaft wird groß geschrieben und vermag selbst Fremdenhass einzudämmen. Plascha ist das Kind polnischer Einwanderer. Sie erzählt ein Stück Ruhrgebietsgeschichte, das schon fast in Vergessenheit geraten ist.


Schauplatz ist das Bergarbeitermilieu des Ruhrgebiets der Jahre 1917 bis 1919. Im Mittelpunkt steht die Familie Krawczyk. Die Eltern sind um 1900 aus Polen ins Ruhrgebiet eingewandert. Der Vater ist seit Beginn des Ersten Weltkriegs in Frankreich an der Front, von ihm fehlt seit Längerem jede Nachricht. Die Mutter lebt in ständiger Sorge um ihren Mann und muss sich mit fünf Kindern mühsam durch die Hungerzeit schlagen.

Franja, die Älteste, arbeitet auf einem Bauernhof und kann gelegentlich Lebensmittel beschaffen. Lischa trägt Zeitungen aus, Lodja kommt demnächst aus der Schule. Plascha, die Zweitjüngste, ist Ich-Erzählerin und im Roman zwischen zehn und zwölf Jahre alt. Sie fühlt sich als Beschützerin ihres kleinen Bruders Felix, der noch nicht zur Schule geht.

Um die Familie herum gruppieren sich eine zahlreiche Nachbarschaft aus den Zechenhäusern sowie Freunde von der Zeche. Für die Kinder sind Straße und Schule wichtig, wo es auch manchen Kampf zwischen deutschen und polnischen Kindern auszufechten gilt, sogar einen regelrechten Kinderkrieg. Plascha und ihre deutsche Freundin Lisbeth aber halten zusammen wie Pech und Schwefel. Außerdem haben sie Vertraute unter den Erwachsene wie den alten Kulla, der ihnen nicht nur zuhört, sondern mit seinen Geschichten auch die Arbeitswelt der Väter unter Tage nahebringt. Oder Charly, den Klüngelskerl, der mit dem Pferdewagen durch die Lande zieht, zudem ein Zauberkünstler ist und einen Hauch von fremder Welt und Abenteuer mitbringt.

Mit Kriegsende kehren die Männer zurück. Innerlich gebrochen, seelisch zerstört viele von ihnen – die Sinnlosigkeit des Krieges ist allgegenwärtig. Es sind wieder einmal die "kleinen Leute", die für alles zahlen. Und die ihre Träume von einer besseren, gerechteren Welt mit der Niederlage der Arbeiterbewegung 1919 erneut schwinden sehen. Auch Plascha begreift schon, welche Macht die politischen Verhältnisse über den Menschen haben und wie wichtig politisches Handeln ist. Und sie macht tagtäglich die Erfahrung, wie sehr Nachbarschaft und solidarisches Handeln helfen, in diesen Zeiten zu überleben.

Inge Meyer-Dietrich Inge Meyer-Dietrich
Sie ist seit 1986 freie Autorin, hat über 30 Bücher veröffentlicht, überwiegend für junge Leser. Zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, u. a. der Literaturpreis Ruhr für das Gesamtwerk. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Gelsenkirchen; die drei Kinder sind erwachsen; beide Töchter ebenfalls schriftstellerisch tätig.

"Ich wurde 1944 geboren und bin in Bochum aufgewachsen. Als Kind hörte ich gern zu, wenn meine Mutter mir Märchen erzählte oder wenn mein Vater ungewöhnliche Figuren für mich erfand wie die 'Oma Nümmes' mit ihren seltsamen Abenteuern. Das gefiel mir so gut, dass ich mit fünf Jahren begann, mir eigene Geschichten und Gedichte auszudenken und sie aufzuschreiben … Nach dem Realschul-
abschluss machte ich in Bonn eine Ausbildung als Krankenschwester. Später holte ich das Abitur am München-Kolleg nach und studierte dann Soziologie, Germanistik und empirische Kulturwissenschaften in München und Tübingen. Buchautorin wurde ich erst, nachdem ich 1984 mit der Erzählung 'Karfunkel' den ersten Preis beim Wettbewerb 'Kinderliteratur NRW gewann."
aus:
www.ingemeyerdietrich.de

Von Inge Meyer-Dietrich sind weiterhin in unserem Verlag erschienen:

Eisengarn (Roman)

Leben und Träume der Mimi H. (Roman)

Die Hüter des Schwarzen Goldes (gemeinsam mit Anja Kiel)