Verlag Henselowsky Boschmann · Regionaler Literaturversorger Ruhrgebiet · Lars von der Gönna · Der Spott der kleinen Dinge. "Neulich" und andere Glossen
Bücher vonne Ruhr


Lars von der Gönna
Der Spott der kleinen Dinge
"Neulich" und andere Glossen

160 Seiten, gebunden, Lesebändchen
Mit Illustrationen von Heiko Sakurai

2. Auflage, 9,90 €
ISBN 978-3-942094-43-6

Lässt sich unser Schicksal in 40 Zeilen fassen? Der Autor meint: ja. Seine Glossen streifen so furchtlos wie komisch durch die Abgründe des Menschseins. Warum sprechen Frauen bloß mit Hunden? Wer ist der Chef von Gott? Was singt man in der Seifenoper? Eigentlich erzählt Lars von der Gönna aus einem Alltag, den jeder kennt. Doch er tut es mit jener Liebe auf den zweiten Blick, die eine Welt schönster Absurditäten enthüllt.

Lesungen:
8. Dezember 2017 (Freitag) 19.30 Uhr. Buchhandlung Kortenkamp, Lippstr. 2, Haltern. Eintritt 5 Euro. Eintrittskarten in der Buchhandlung oder Tel. 02364 2250

Lars von der Gönna
Foto: Matthias Graben. WAZ-Fotopool





Am 31. März 2017 und am 6. April 2017 gastierte Lars von der Gönna mit seinem Buch "Der Spott der kleinen Dinge" in der ausverkauften Buchhandlung Kape in Langenberg.


Lars von der Gönna Der Spott der kleinen Dinge

Foto: FUNKE Foto Services

Lars von der Gönna
geboren 1967 in Herten/Westfalen, wuchs in einer Familie aus Generationen von Gärtnern auf, schlug aus der Art: Chronist im Garten des Menschlichen. Prägende Erfahrungen u.  a. als Tankwart in Datteln, Kleindarsteller der Ruhrfestspiele, Laborgehilfe an den Essener Kliniken und Praktikant der „Tagesschau“. Seit 2000 Kulturredakteur der WAZ. Keine Kinder, keine Tiere, keine Hobbys, eine Frau.


Die LvG-Lesetour 2014 bis 2017
:

13. Oktober 2017 in der Buchhandlung "Das Buch in Borbeck" (ausverkauft)

31. März 2017 und 6. April 2017 in der Buchhandlung Kape in Langenberg
(ausverkauft)

12. Oktober 2016 auf der Burg Vondern in  Oberhausen-Osterfeld. Benefizveranstaltung des Förderkreises Burg Vondern e. V. Oberhausen (ausverkauft)

15. April 2016 in der Buchhandlung Polberg in Essen-Steele (ausverkauft)

19. November, 2015 in der Stadtbücherei Gladbeck im Rahmen der Veranstaltungsreige "InterMezzo" (ausverkauft)

12. November 2015 in der Buchhandlung Lesezeichen in Hamborn
(ausverkauft)

27. Oktober 2015 in der Kleinen Bücherwelt in Essen-Burgaltendorf (ausverkauft)

17. Oktober 2015 im Literaturhotel Franzosenhohl in Iserlohn (ausverkauft)

18. September 2015 in der Buchhandlung Erlenkämper, Bottrop
(ausverkauft)

2. September 2015 in der Stadtbibliothek Oberhausen
(ausverkauft)

5. Juni 2015 in  der Buchhandlung am Löhberg Nr. 4 in Mülheim (ausverkauft)

1. Juni 2015 in der Buchhandlung Hilberath & Lange in Mülheim-Saarn (ausverkauft)

6. Mai 2015 in der Buchhandlung Folgner in Essen-Kettwig (ausverkauft)

22. April 2015 in der Buchhandlung am Markt Lehmkul in Witten (ausverkauft)

16. April 2015 im Ruhrgebietsladen in Mülheim-Heißen (ausverkauft)

6. März 2015 in der Stadtbücherei Gladbeck im Rahmen der "Nacht der Bibliotheken" (ausverkauft)

5. März 2015 in der Kleinen Bücherwelt in Essen-Burgaltendorf
(ausverkauft)

3. März 2015 in der Buchhandlung Scheuermann in Duisburg
(ausverkauft)

26. Februar 2015 in der Buchhandlung Lesezeichen in Hamborn (ausverkauft)

10. Februar 2015 in der Buchhandlung am Löhberg Nr. 4 in Mülheim (ausverkauft)

5. Februar 2015 im Literaturhaus Herne Ruhr (ausverkauft)

13. Dezember 2014 in der Buchhandlung Platzer in Essen-Steele (ausverkauft)

13. November 2014 in der Bücherinsel in Duisburg-Rheinhausen (ausverkauft)

12. November 2014 in der Buchhandlung Folgner in Essen-Werden (ausverkauft)

11. November 2014 in der Buchhandlung Gimmerthal in Bochum-Langendreer (ausverkauft)

7. November 2014 in der Buchhandlung Polberg in Essen-Steele (ausverkauft)

5. November 2014 bei Tausendundein Buch in Duisburg-Neudorf (ausverkauft)

17. Oktober 2014 mit der Buchhandlung am Rathaus, Kamp-Lintfort, Auftaktveranstaltung der "Literaturtage Kamp-Lintfort"
(ausverkauft)

15. Oktober 2014 in der Buchhandlung Lesezeichen in Hamborn
(ausverkauft)

1. Oktober 2014 in der Buchhandlung Bücherträume in Mülheim
(ausverkauft)

23. September 2014 in der Altstadt Buchhandlung in Essen
(ausverkauft)

18. September 2014 in der Buchhandlung Janssen in Bochum
(ausverkauft)

17. September 2014 in der Buchhandlung Junius in Gelsenkirchen
(ausverkauft)



Lars von der Gönna, der Ohrenbackensessel und der kleine Mann
Laudatio von Jens Dirksen, dem leitenden Redakteur der Kulturredaktion am Content-Desk der Funke-Mediengruppe (WAZ/NRZ/WR), zur Premiere des Buches "Der Spott der kleinen Dinge" am 17. September 2014 in der Gelsenkirchener Buchhandlung Junius.

Seit dem rasenden Reporter Egon Erwin Kisch ist die Devise „Schreib das auf!“ so etwas wie ein journalistisches Grundgesetz. Nun ist allerdings mein Lieblings-Kulturredakteur Lars Ludwig von der Gönna, der sich wie kein zweiter an diesen zeitungstypischen Tagesbefehl hält, eher ein Gegenentwurf zu einem rasenden Reporter. Womit nichts über sein Arbeitstempo gesagt ist, der Mann kann wirklich selbst zwischen zwei Wimpernschlägen ordentlich was wegmalochen – und das sage ich, obwohl nicht er mein Vorgesetzter ist, sondern umgekehrt.

Nein, Lars von der Gönna rast nicht. Er ist ein bekennender Lebensmitschreiber, und das macht ihn bei der Arbeit seelenruhig, grundgelassen. So ähnlich stelle ich mir manchmal die Gemütslage von Schmetterlingsforscher vor, wenn sie ihre Stecknadeln in der Hand haben. Seinen Kollegen gibt Lars von der Gönna charmanter Weise das Gefühl, es sei ihm eine Freude, die Buchstaben in einer derart richtigen Reihenfolge hintereinander zu setzen, dass die Menschen am Ende schmunzeln werden. Wenn ich seine Texte lese (und ich habe ja das schöne Privileg, so manchen seiner Texte als erster zu lesen), werde ich nie das Gefühl los, er müsse doch gerade beim Schreiben gepfiffen haben, so liest es sich. Dass man ihn trotzdem nie pfeifen hört, liegt zum einen an seiner Höflichkeit - zum anderen aber auch an den Opern-Arien, die gelegentlich aus seinem Schreibzimmerchen bei der WAZ dringen. Ein wesentlicher Bestandteil seines Schreibzimmerchens ist übrigens ein von daheim mitgebrachter Ohrenbackensessel, und früher habe ich mir immer vorgestellt, Lars von der Gönna schriebe darin. Oder setze sich vor dem Schreiben hinein, um sich per Kopfhörer mit ein paar Minuten heiterem Mozart, weltschwerem Beethoven oder unheilschwangerem Wagner einzustimmen aufs Schreiben.

Heute weiß ich es besser. Wie für alle von uns ist auch für Lars von der Gönna das Schreiben Arbeit, neben der richtigen Reihenfolge der Buchstaben kommt es ja auch noch auf die der Sätze an, für einen Pointenschnüffler wie ihn allemal. Hinzu kommt das gekonnte Weglassen, fast die härteste Arbeit, die wir verrichten, und fast die wichtigste. Aber vor alledem kommt das Hinsehen und Hinhören. Deshalb steht der Ohrenbackensessel im Schreibbüro von Lars von der Gönna: Er ist für Kollegen, die, kaum dass sie in besagtem Sessel versunken sind, wie von selbst und geradezu aufgezogen anfangen zu plaudern. Sie erzählen vom täglichen Tag in ihrem ganz persönlichen Absurdistan, das sich Leben nennt, und sie erzählen es vor allem, weil Lars von der Gönna sich dafür interessiert. Nicht, um diese Geschichten auszuschlachten oder weil er auf der Suche nach Material für seine Glossen ist. Sondern weil es ihn wirklich interessiert, das Leben der anderen. Und DAS ist der wahre Grund, warum Lars von der Gönna genauer hinsieht, hinhört um sich herum: Nennen Sie’s Anteilnahme, nennen Sie’s Empathie oder Welt- und Menschen-Zugewandtheit. 

Dass diese Glossen oft mit „Neulich“ beginnen und dann am Bäckereitresen oder in der Gefriertruhe landen und auch schon mal um 18 Jahre alte Badehosen kreisen, ist der Grund, warum seine Leser so oft das Gefühl entwickeln: „Huch, du kommst ja auch drin vor!“ Denn die Tücke des Objekts ist ja längt allseits bekannt, aus dem Kampf des Menschen mit der widerspenstigen Materie schlagen die Clowns dieser Welt bis hin zum genialen Chaplin ihre komischen Funken. Aber dass und wie die Dinge auch noch über uns spotten, nachdem sie uns mit ihrem Widerstand ins Stolpern gebracht haben, das entdeckt keiner so gut wie Lars von der Gönna.

Deshalb wünsche ich Ihnen nun viel Freude und Huch! mit dem „Spott der kleinen Dinge“. Und ich drücke Ihnen die Daumen, dass gleich auch mindestens noch ein „Ehegespräch“ zu hören sein wird. Denn spätestens hier werden auch sie dem kleinen Mann dafür danken, dass er Tag und Nacht bei Lars von der Gönna im Ohr hockt und flüstert: „Schreib das auf!“




Poldi lieb!

Neulich hat sich die Frau im Bus wieder mit ihrem Hund unterhalten. "Mutti muss jetzt noch zu Rewe", sagte sie. Der Hund schwieg. Aber die Frau verhielt sich, als hätte er gesagt: "Was, Mutti? Zu Rewe?" Sie sagte nämlich nickend: "Ja, zu Rewe muss die Mutti noch, zu Rewe." Ich kenne die Frau nur aus dem Bus; sie ist eine unauffällige Rentnerin mit beigen Gesundheitsschuhen. Bei Regen trägt sie ein Kopftuch aus Plastik. Sie ist so normal, da sitzt der Schock umso tiefer, wenn jemand Stimmen zu hören scheint: aus einem Rehpinscher.
Als ich die Frau zum ersten Mal erlebt habe und sie dem Tier erklärte, was ihr Arzt plane. "Der untersucht die Mutti!", suchte ich Rat bei meinem Freund Martin. Martin ist Kommunikationswissenschaftler. Martin steckte sich eine rote Gauloises an, kniff die Augen zu und sagte: "Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte!" Martin erzählte von seinem Sittich Poldi. Martin liebte Poldi. Poldi konnte ein bisschen sprechen. "Poldi lieb!" zum Beispiel. Bis Martins dicker Cousin sich aus Versehen auf Poldi setzte. Martin trat die Zigarette aus und sagte: "Ich war acht, und es geschah während einer Runde Spiel des Lebens."
Tränen traten mir in die Augen, wegen Poldi, aber auch, weil ich im Spiel des Lebens so oft verliere. "Denk darüber nach", sagte Martin und leerte das Bier von seinem Lieblingskiosk. Der indische Besitzer sagt zu Martin "Chef".
Ich fragte mich, ob Poldi zu retten gewesen wäre, wenn er mehr gesagt hätte als "Poldi lieb!". Die Frau im Bus fragte den Hund: "Na, freust du dich auf zu Hause?" Ich habe Angst vor dem Tag, an dem die Tiere antworten.