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Dirk Hallenberger (Hg.) Prominente Porträts





Dirk Hallenberger Wandel vor Ort
Dirk Hallenberger (Hg.)
Wandel vor Ort

Das Ruhrgebiet in ausgewählten Erzählungen
208 Seiten, gebunden,
14,90 €
ISBN 978- 3-922750-57-5

Hundert Jahre Literatur über das Ruhrgebiet: sie scheinen ausreichend zu sein, um Bilanz zu ziehen, um aufzulisten, was aus der erzählenden Literatur vorzeigens- und lesenswert, aber auch bewahrenswert sein könnte, bevor sich das Ruhrgebiet noch weiter kulturverwandelt und als Industrie-landschaft völlig verschwunden ist. Eine Bestandsaufnahme mit dem Anspruch auf Bestandsgarantie.
Dirk Hallenberger Prominente Porträts
Dirk Hallenberger, *1955 Velbert
Dr. phil., Germanist (Industrie und Heimat. Eine Literaturgeschichte des Ruhrgebiets 2000), Lehrbeauftragter an der Universität Duisburg-Essen)

Ebenfalls von Dirk Hallenberger:
"Heimspiele und Stippvisiten"
Reportagen über das Ruhrgebiet

"Prominente Porträts"
Das Ruhrgebiet in autobiografischen Texten
Autor/Autorin
Titel in "Wandel vor Ort"
Zum Autor/Zur Autorin/Link
Paul Zech
Das Pferdejuppchen
*1881 Briesen/Westpreußen, †1946 Buenos Aires
Kindheit in Westfalen, Bergmann in Belgien, lebte in verschiedenen Berufen bis 1912 in Elberfeld und bis 1933 in Berlin, Lyriker und Erzähler (Das schwarze Revier 1913, Der schwarze Baal 1917)
Das Pferdejuppchen (1910). Aus Paul Zech: Der schwarze Baal. Novellen. Neuaufl. Leipzig (Wolff) 1919, S. 25–46. Wiederabdruck in Paul Zech: Ausgewählte Werke. Bd. III: Prosa. Hg. von Bert Kasties. Aachen (Shaker) 1998, S. 7–17. © Bert Kasties
Deutsches Literaturachiv Marbach

Josef Winckler
Das Ferienkind

*1881 Bentlage/Rheine, †1966 Bensberg/Bergisch Gladbach
Dr. med., Zahnarzt in Moers (bzw. Homberg), seit 1932 freier Schriftsteller in Bensberg (Der tolle Bomberg 1923)
Das Ferienkind. Aus Leo Sternberg (Hg.): Der ewige Strom. Rheinische Erzählungen. Dortmund (Garten Eden) 1921, S. 146–167. Wiederabdruck in Josef Winckler: Trilogie der Zeit. Rudolstadt/Thüringen (Greifen) 1924, S. 5–40, u. Trilogie der Zeit – Eiserne Welt. Hg. von Hanns Martin Elster. Emsdetten (Lechte) 1981, S. 9–28. © Nyland-Stiftung, Köln
Nyland-Stiftung, Köln
Otto Wohlgemuth
Schlagende Wetter
*1884 Hattingen/Ruhr, †1965 Hattingen/Ruhr
Bergarbeiter in Bochum, 1923–1933 Bibliothekar in Gelsenkirchen (-Buer), Lyriker und Erzähler
Schlagende Wetter. Aus Otto Wohlgemuth: Schlagende Wetter. Ein Bergmannsbuch aus dem Ruhrlande. Zeichnungen, Erzählungen und Gedichte. Essen (Baedeker) 1923, S. 21–24
Otto-Wohlgemuth-Ausstellung in Hattingen
Erich Grisar
Die Zechentore
*1898 Dortmund, †1955 Dortmund
technischer Vorzeichner, seit 1922 freier Schriftsteller in Dortmund
Die Zechentore. Aus Erich Grisar: Das Herz der Erde hämmert. Skizzen und Gedichte. Leipzig (Proletarische Freidenker) o.J. [1923], S. 9–10. © Helga Grisar
Walter Vollmer
Bergmannsnot
*1903 Westrich/Dortmund, †1965 Arnsberg
Bergmann und Journalist, seit 1933 freier Schriftsteller in Dortmund
Bergmannsnot. Aus Walter Vollmer: Das Rufen im Schacht. Ein Notbuch. München-Gladbach (Volksverein) 1926, S. 80–92
Rudolf Braune
Der Kurier
*1907 Dresden, †1932 im Rhein bei Düsseldorf
Redakteur und Erzähler in Düsseldorf
Der Kurier. Aus Wieland Herzfelde (Hg.): Dreißig neue Erzähler des neuen Deutschland. Junge deutsche Prosa. Berlin (Malik) 1932, S. 273–292. Wiederabdruck in Walter Fähnders u.a. (Hg.): Sammlung proletarisch-revolutionärer Erzählungen. Darmstadt (Luchterhand) 1973, S. 218–233
Richard Huelsenbeck
Ruhrkrieg
*1892 Frankenau/Hessen, †1974 Minusio/Schweiz
Kindheit in Bochum, Arzt und Schriftsteller in Berlin (Phantastische Gebete 1916, Dada-Almanach 1920)
Ruhrkrieg. Aus Wieland Herzfelde (Hg.): Dreißig neue Erzähler des neuen Deutschland. Junge deutsche Prosa. Berlin (Malik) 1932, S. 681–708. © Herbert Kapfer, Richard-Huelsenbeck-Nachlass, München
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Anna Seghers
Der Vertrauensposten
[d.i. Netty Radvanyi]
*1900 Mainz, †1983 Berlin/DDR
Dr. phil., 1933 Emigration und seit 1947 in Berlin/DDR, Erzählerin (Aufstand der Fischer von St. Barbara 1928, Das siebte Kreuz 1942, Transit 1944)
Der Vertrauensposten (1933). Aus: Neue Deutsche Literatur, 26/1978, H. 5, S. 11–13. © Aufbau Verlagsgruppe GmbH, Berlin 1997
Anna-Seghers-Gesellschaft
Hans Marchwitza
Jaschecks fangen neu an
*1890 Scharley b. Beuthen, †1965 Potsdam
Bergarbeiter in Essen, 1933 Emigration und seit 1947 Kulturfunktionär in Babelsberg, Erzähler (Die Kumiaks 1934ff.)
Jaschecks fangen neu an. Aus Hans Marchwitza: Unter uns. Erzählungen aus älterer und jüngerer Zeit. Potsdam (Rütten & Loening) 1950, S. 103–111

Heinrich Schirmbeck
Abschied von Elena

*1915 Recklinghausen, †2005 Darmstadt
Buchhändler und Journalist, seit 1952 freier Schriftsteller in Frankfurt/Main und Darmstadt (Ärgert dich dein rechtes Auge 1957)
Abschied von Elena (1949). Aus Heinrich Schirmbeck: Aurora. Frühe Erzählungen. Göttingen (Sachse & Pohl) 1968, S. 7–23. © AIG I. Hilbinger Verlag GmbH, Wiesbaden (hier erscheinen von Heinrich Schirmbeck: Ärgert dich dein rechtes Auge, Die Pirouette des Elektrons, Der Kris)
Aig Hilbinger Verlag
Josef Reding
Noch eine Wundertüte gratis
*1929 Castrop-Rauxel
freier Schriftsteller in Dortmund
Noch eine Wundertüte gratis. Aus Josef Reding: Papierschiffe gegen den Strom. Kurzgeschichten, Aufsätze, Tagebuchskizzen und Hörspiele. Recklinghausen (Paulus) 1963, S. 35–39. © Josef Reding
Wolfgang Körner
Blimpp, crash, zack, wow: Unfälle im Ruhrgebiet
*1937 Breslau
Verwaltungsbeamter in Dortmund, seit 1980 freier Schriftsteller
Blimpp, crash, zack, wow: Unfälle im Ruhrgebiet. Aus Hans Dollinger (Hg.): außerdem. Deutsche Literatur minus Gruppe 47 = wieviel? München (Scherz) 1967, S. 91–93. © Wolfgang Körner
Webside von Wolfgang Körner
Günther Weisenborn
Ein gleichgültiger Mittwoch
*1902 Velbert, †1969 Berlin
Dramaturg und Schriftsteller in Berlin (Die Illegalen 1946, Memorial 1948)
Ein gleichgültiger Mittwoch. Aus Hans Dollinger (Hg.): außerdem. Deutsche Literatur minus Gruppe 47 = wieviel? München (Scherz) 1967, S. 94–95. © Liepman AG, Zürich
Max von der Grün
Wenn der Abend kommt
*1926 Bayreuth, †2005 Dortmund
Bergarbeiter in Kamen, seit 1964 freier Schriftsteller in Dortmund (Irrlicht und Feuer 1963, Stellenweise Glatteis 1973, Vorstadtkrokodile 1976)
Wenn der Abend kommt. Aus Hans Dollinger (Hg.): außerdem. Deutsche Literatur minus Gruppe 47 = wieviel? München (Scherz) 1967, S. 396–405. Wiederabdruck in Max von der Grün: Stenogramm. Erzählungen. Düsseldorf (Eremiten) 1972, S. 15–28. © Jennifer von der Grün
Hansjürgen Bulkowski
Das Ereignis der 5 Millionen
*1938 Berlin
seit 1969 freier Schriftsteller in Düsseldorf und Meerbusch
Das Ereignis der 5 Millionen. Aus Horst Laube (Hg.): Ruhrpottbuch. Libuda […] und andere Geschichten. Wuppertal (Hammer) 1972, S. 51–54. Wiederabdruck in Hansjürgen Bulkowski: Tempo. Erzählungen. Köln (Braun) 1977, S. 9–12. © Hansjürgen Bulkowski
Nicolas Born
Kohlenstory
[d.i. Klaus Born]
*1937 Duisburg, †1979 Breese bei Dannenberg/Elbe
Chemigraph in Essen, seit 1965 freier Schriftsteller in Berlin und bei Dannenberg (Das Auge des Entdeckers 1972, Die erdabgewandte Seite der Geschichte 1976, Die Fälschung 1979)
Kohlenstory. Aus Horst Laube (Hg.): Ruhrpottbuch. Libuda […] und andere Geschichten. Wuppertal (Hammer) 1972, S. 87–92. Wiederabdruck in Nicolas Born: Täterskizzen. Erzählungen. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 1983, S. 130–136. © 1983 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
Seiten der Erbengemeinschaft

Fakir Baykurt
Das Grab

[d.i. Tahir Veli]
*1929 Akcaköy/Türkei, †1999 Essen
seit 1979 Lehrer in Duisburg, Erzähler (Die Rache der Schlangen 1959, Das Epos von Kara Ahmet 1977, Hochöfen 1983)
Das Grab. Aus Fakir Baykurt: Nachtschicht und andere Erzählungen aus Deutschland. Aus dem Türkischen von Helga Dayeli-Bohne und Yildirim Dayeli. Zürich (Unions) 1984 [Istanbul (Kitabevi) 1982], S. 68–81. © 1984 by Unionsverlag, Zürich
Hannelies Taschau
Doppen peitschen
*1937 Hamburg
Jugend in Essen, seit 1967 freiberufliche Autorin in Hameln
Doppen peitschen. Aus Hannelies Taschau: Mein letzter Mann. Erzählungen. Zürich (Nagel & Kimche) 1992, S. 38–56. © Hannelies Taschau
Ralf Rothmann
Stahl
*1953 Schleswig
Jugend in Oberhausen, seit 1976 freier Schriftsteller in Berlin (Wäldernacht 1994, Junges Licht 2004)
Stahl. Aus Ralf Rothmann: Ein Winter unter Hirschen. Erzählungen. Frankfurt/Main (Suhrkamp) 2001, S. 132–158. © Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
Portrait bei Suhrkamp
Michael Klaus
Nacht in fünf Akten
*1952 Brilon
freier Schriftsteller in Gelsenkirchen
Nacht in fünf Akten. Aus Michael Klaus: Little red rooster. Erzählungen. Köln (Nyland) 2004, S. 12–14. Wiederabdruck in Michael Klaus: … in die weite Welt hinein. Oberhausen (asso) 2006, S. 153–154. © assoverlag, Oberhausen
asso-verlag, Oberhausen
Vorwort von Dirk Hallenberger

Hundert Jahre Literatur über das Ruhrgebiet: sie scheinen ausreichend zu sein, um Bilanz zu ziehen, um aufzulisten, was heute, am Vorabend von »Ruhr 2010«, aus der erzählenden Literatur vorzeigens- und lesenswert, aber auch bewahrenswert sein könnte, bevor sich das Ruhrgebiet noch weiter kulturverwandelt und als Industrielandschaft völlig verschwunden ist. Eine Bestandsaufnahme mit dem Anspruch auf Bestandsgarantie. Dieser Band versammelt zum ersten Mal die wohl wichtigsten Erzählungen, die auf ambitionierte Weise das Ruhrgebiet zum Thema haben. Zu entdecken sind neben vergessenen durchweg namhafte Autoren, die während der letzten hundert Jahre mit ihren Prosa-Texten auf ihre je eigene Art ein bedeutendes Stück (Literatur-) Geschichte des Reviers zusammengetragen haben: sei es aus der Welt des Bergbaus, aus politischen Umbruchsituationen oder aus dem gemeinen Industrie-Alltag. Zwanzig literarische Facetten erzählen von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen zwischen Ruhr und Lippe, zwischen unter Tage und über Nacht, zwischen damals und morgen – wie sie in dieser Komposition wahrlich nur im Ruhrgebiet zu finden sind.
Selbstverständlich ist das allerdings nicht. Denn vieles, allzu vieles ist unbekannt und unbekannt geblieben (oder schlicht vergessen): die Namen, die Titel, die Traditionen. So unbekannt wie lange, lange Zeit das Ruhrgebiet selbst. Noch vor 50 Jahren schrieb Heinrich Böll in dem seinerzeit viel und kontrovers diskutierten Revier-Bildband Im Ruhrgebiet (1958) einleitend: »Das Ruhrgebiet ist noch nicht entdeckt worden«. Diese zentrale und doch altbekannte These übertrug Mitte der 60er Jahre der Essener Jungautor Nicolas Born auf die Literatur: »Das Ruhrgebiet ist noch immer für die Literatur ein unentdecktes Land« (in einem Zeitungsbeitrag zum Thema »Industrie und Autor«). Der wohl bis heute wichtigste Autor des Ruhrgebiets, Erik Reger, schrieb mit Union der festen Hand (1931) den mutmaßlich »besten deutschen Industrieroman«, wie ihn nicht nur zeitgenössische Kritiker anerkennend beurteilten. Nur, und das teilt Reger mit einer Vielzahl anderer Schriftsteller, die sich literarisch mit dem Ruhrgebiet auseinandergesetzt haben, hat ihn das und seinen expliziten Revier-Roman nicht vor dem Vergessen bewahren können – besonders im Ruhrgebiet selbst.
Wie lässt es sich nun erklären, dass das Interesse an hiesigen Schriftstellern und deren Erzeugnissen so gering ist (dort besonders an den älteren), dass die Literatur über das Ruhrgebiet so wenig Spuren hinterlassen hat, dass es »bisher kein Bewußtsein von einer spezifischen Literatur der Region gegeben hat« (Erhard Schütz)? Ich denke hierbei weniger an (nur) lokal bedeutende Dichter, die sich vor Ort oftmals größerer Traditionspflege erfreuen, in der Nachbarstadt jedoch bereits völlig unbekannt sind. Ich denke vielmehr an Literatur, die versucht, das Ruhrgebiet als Ganzes zu thematisieren oder exemplarisch darzustellen – sei es als Industrieregion oder Großstadtlandschaft oder wie auch immer.
Wer heute im Ruhrgebiet nach Autoren oder Literatur der Region fragt, wird vornehmlich auf Max von der Grün (und dessen Romane) verwiesen. Dann entsteht zumeist eine Pause, zwangsläufig. Eingeweihtere ergänzen möglicherweise Jürgen Lodemann, Ralf Rothmann oder Frank Goosen. Wer jedoch weiß hier (noch) etwas mit Paul Zech, Erich Grisar, Hans Marchwitza oder eben Nicolas Born zu verbinden? Zugegeben, viele ›Klassiker‹ hat die Region nicht aufzuweisen. Man wird nicht behaupten können, das Ruhrgebiet habe sich nachhaltig in die deutsche Literaturgeschichte eingeschrieben. Weder ist hier bis heute ›der Zola‹ zu benennen, noch ist bis heute der Alexanderplatz gefunden, um nur zwei immer gern angeführte mögliche Vorbilder zu benennen. Sind diese Hürden jedoch genommen, lohnt sich ein erneuter Blick auf die literarischen Werke des Ruhrgebiets. Denn unter anderen als primär ästhetischen Gesichtspunkten kann diese Literatur durchaus dazu dienen, historisch als auch soziologisch interessante und durchaus aufschlussreiche Ein- und Ausblicke in und auf die Geschichte und Mentalität des Reviers und seiner Bewohner zu gewinnen.
Hier möchte die vorliegende Anthologie anknüpfen. Wandel vor Ort möchte mit seinen Beispielen illustrieren, ob und wie sich der literarische Zugriff auf das Ruhrgebiet während der letzten hundert Jahre formal-ästhetisch bzw. thematisch-inhaltlich verändert hat. Beide Aspekte finden sich bei der Auswahl gleichermaßen wieder: Zum einen erfüllen die Erzählungen – im Rahmen des vorhandenen ›Materials‹ – gehobene sprachlich-ästhetische Vorstellungen, zum anderen sind alle Erzählungen mit dem Handlungsort ›Ruhrgebiet‹ – oder darüber hinausgehend mit dem Motiv ›Ruhrgebiet‹ – verknüpft. Die Auswahl der Texte, auch wenn sie sich an entsprechenden Kanons orientiert, bleibt selbstredend subjektiv, sie konnte in diesem Fall auch auf keine Vorbilder zurückgreifen. Vergleichbare bisherige Anthologien wandten sich stets der jeweiligen Gegenwart zu, waren synchrone Vermessungen wie etwa die Prosa-Sammlungen von Wilhelm Beielstein (1937), Horst Laube (1972), Thomas Rother (1985) oder Horst Hensel/Heinrich Peuckmann (1986). So stehen in Wandel vor Ort bekannte Namen neben vergessenen, verstorbene Schriftsteller neben publizierenden. Und: es ist insgesamt ein Gruppenbild ohne Damen, die wenigen Ausnahmen schaffen hier kaum Abhilfe. (Umso bedauerlicher, dass Elke Heidenreich einen Textabdruck verweigerte.)
Die einzelnen Erzählungen sind chronologisch angeordnet, und es ist jeweils nur ein Autor (bzw. eine Autorin) vertreten. Der Aufbau unterliegt nicht thematischen Gruppen, da die Auswahl nicht darauf bedacht ist, möglichst alle Aspekte des Sujets ›Ruhrgebiet‹ zu berücksichtigen. Im Vordergrund steht allein, wie das einzelne Thema (egal welches) literarisch und sprachlich umgesetzt ist. Das erklärt andererseits den Umstand, dass sich das erste Viertel der vorliegenden Anthologie (ohne Absicht) ausschließlich dem Bergbau widmet, der später noch einmal an zwei Stellen aufgegriffen wird. Dem Bergbau folgt als Thema die Politik (als Reflex auf bestimmte Gegenwarts-probleme), und dann, nach 1945, lässt die Dominanz bestimmter Aspekte auffallend nach. Der Alltag zieht ein, Erinnerungen an Kindheit und Jugend werden formuliert, Liebe und Tod, Prostitution und Gewalt greifen Platz. Alles hält sich jedoch mit hohem Wiedererkennungswert zwischen den Konstanten Kohle und Stahl, ist also unmissverständlich an den Tatort Ruhrgebiet gebunden. Auch wenn am Ende nichts mehr so ist wie zu Beginn, Wandel vor Ort.