Verlag Henselowsky Boschmann · Regionaler Literaturversorger Ruhrgebiet · Hubertus Janssen · Der Lurch hält durch
Bücher vonne Ruhr
              
Autorinnen und Autoren  Alle Bücher
Startseite
Impressum
E-Mail-Kontakt Tel. 2041-693588
Hubertus Janssen
Der Lurch hält durch
Gedichte aus dem landwirtschaftlichen Feuilleton und querfeldein

Illustriert von Peter Menne
Mit einem Nachwort von Jens Dirksen
96 Seiten, gebunden, 9,90 €
ISBN 978-942094-49-8
Reihe: Poesiealbum Ruhrgebiet

Hubertus A. Janssen, Wortspieler, gelernter Münsterländer und westfälischer Kosmopolit, hat für literarische Notfälle immer einen Koffer dabei, angefüllt mit Versen. Seinem Motto „Kürzer ist länger“ folgend, fertigt er feine Verse oft mit spitzer Feder. Man sieht es geradezu, wie er die Wörter greift, wie er sie anschaut, anspricht, von allen Seiten, und dann plötzlich springen lässt wie das Reh am See: „In diesem Schnee denk ich an Tee, das Reh an Klee.“ Kurzum: Ein Wortmusiker.



Jens Dirksen Hubertus A. Janssen

Kohle Kappes Konifären

Einen heiterer Abend mit „Bauer“ Jens Dirksen und dem literarischen „Notfallmediziner“ Hubertus A. Janssen

Mit "Kohle, Kappes, Koniferen", ihrem frischen Programm, beackern Jens Dirksen (Kulturchef der WAZ, rechts) und Hubertus A. Janssen (Notfalldichter) in Geschichten und Gedichten nicht nur das Urgemüse des Ruhrgebiets mit all seinen Licht-und Schattenspielen, sondern gleichermaßen ihr landwirtschaftliches Spezialgebiet: die gesamte Flora und Fauna des Potts, des Rheinlandes und Westfalens, Europas und vom Rest der angrenzenden Welt. Zwischen Halde Hilde und Eichhörnchen Horst soll Platz sein für Bergmannskühe und Kohlewanderungen.
Besucher ihrer Lesungen werden Zeitzeugen wahrer, wahnwitziger und wahnsinnger Einfälle eines Gartenkolumnisten und eines versierten Versverlesers, die ihrem Publikum beide Tränen der Heiterkeit wie auch der Rührung zu entlocken vermögen. Schiller und Morgenstern, beide eher nicht direkt dem Ruhrgebiet entsprungen, hätten ihre wahre Freude daran.

22. Juni (Freitag), 19.30 Uhr, Ruhrgebietsladen, Mülheim-Heißen
29. Juni (Freitag), 20.00 Uhr, Buchhandlung Platzer, Essen-Steele
Heinz H. Menge Mein lieber Kokoschinski der ruhrdialekt

Foto: Jakob B. Janssen
Hubertus A. Janssen
Jahrgang 1964, aufgewachsen in Warendorf an der Ems, wurde nicht Förster, sondern beendete sein Medizinstudium in Mainz. Seit 2010 dichtet er für die Funke-Mediengruppe und für den Landwirtschaftsverlag Münster und andere Zeitungen. Als Erfinder des „landwirtschaftlichen Feuilletons“ ist er ein Vertreter eher kurzer Kurztexte. Gemeinsam mit Jens Dirksen liest er im „landwirtschaftlichen Feuilleton, unplugged“. Der Grenzgänger Janssen arbeitet als Arzt genau da, wo Ruhrgebiet und Münsterland ineinander übergehen. Er lebt mit Familie in Recklinghausen.

Peter Menne (Illustrator)
1962 als Westfale geboren; machte sich als Karikaturist durch zahlreiche Publikationen und Ausstellungen einen Namen; als Illustrator arbeitet er für Tageszeitungen, Fachmagazine, Buchverlage und Agenturen.
www.menne-illustration.de
"... All den Verhunzern aber, die von Glück sagen können, dass fortgesetzter Missbrauch von schutzbefohlenen Wörtern immer noch kein Straftatbestand ist, macht Hubertus A. Janssen vor, wie schön, wie ganz anders, wie schöpferisch man mit der Sprache umgehen kann. Janssen jongliert und wendet die Wörter, ja er lässt sie vor den Lesern kleine Pirouetten drehen. Dass sich Sprache nur in zweiter Linie aus Buchstaben und vor allem aus Tönen zusammensetzt, das kann man in diesen Versen nicht nur hören, sondern sogar erblicken. Janssens Vokalmusik sehen eben alle, die lesen können. Wenn man auf Wörter wie „Krötenflöte“ oder Sätze wie „Neulich traf ich eine kleine Randerscheinung“ im Lesen lauscht, dann weiß man: Der Augen- und Ohrenweidenpfleger Hubertus A. Janssen hext zusammen, was nicht zusammengehört – lauter Wesen, die ihren Aberwitz entfalten, sobald man sie zusammen hört. Einmal telefonierte ich aus dem Frankreich-Urlaub mit dem Dichter, der gerade dabei war, in Polen diversen Inspirationen durch Dohlen und Fohlen nachzujagen. Gleichwohl mochte ich ihm nicht vorenthalten, dass zu den Partnerstädten der bretonischen Bezirksmetropole Quimper nicht nur das irische Limerick gehört, sondern auch – Remscheid. Und kurz nach meiner Mutmaßung, es werde wohl nie einen Limerick für Remscheid geben, weil sich darauf so gar nichts reimt, entstand die „Taube im Rennkleid“.
Die disparaten Dinge, auf die sich Janssen im Paar, überkreuz oder auch mit wonniger Umarmung einen Reim macht, werden durch seine Gedichte zu Brüdern, sie verschwistern sich. Es entsteht eine sinnfällige Einheit der Vielfalt, turbulenteste Gegensätze eingeschlossen. Und vielleicht ist es dieser sprachliche Vorschein einer Welt, die so viel wünschenswerter erscheint als die wirkliche, die in Janssens Gedichten neben der großen Heiterkeit auch einen Hauch von Glück verspüren lässt." (aus dem Nachwort von Jens Dirksen)

Der Lurch hält durch

Abendröte.
Die Erdkröte
spielt
zart
Flöte.
Spielt
lang Flöte.
Krötenflöte
quakt
die Kröte.
Quakt durch
bis zur
Morgenröte.



Landflucht einer Made
Im Apfel kroch ’ne Made.
Im Obst tief drin nur stecken,
Obstesser so zu strecken,
fand sie ihr Leben schade.

Aus Furcht vor Marmelade,
begann sie sich zu recken,
bis in die Stadt zu strecken
und fand sich gar nicht schade.

Robbte durch die große Stadt
und strandete beim Suchen
in einem Apfelkuchen.

Ihr Landleben so sehr satt
juchzte sie: Bin weg, bin weg!
Und versank still, per Gebäck.